
Expertentips
Warum dein Körper nicht repariert, obwohl du ‘genug Eiweiß’ isst
Das Interview wurde für QS24, Schweizer Gesundheitsfernsehen, aufgezeichnet.
Aminosäuren sind die kleinsten Bausteine des Eiweißes – und genau daraus macht der Körper Reparatur, Regeneration und Regulation. In diesem Interview spricht Dr. med. Alexander Hierl, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie aus München, Experte für funktionelle Medizin und Mitgründer von MITOcare, darüber, warum Proteine im Teller nicht automatisch bedeuten, dass auch wirklich genug Aminosäuren „ankommen“. Denn bevor Aminosäuren überhaupt verfügbar sind, muss die Verdauung funktionieren: gutes Kauen, ausreichend Magensäure, Enzyme aus der Bauchspeicheldrüse, Galle – und am Ende ein Darm, der resorbieren kann.
Genau hier liegt für viele der Knackpunkt: Verdauungsstörungen, Dysbiose oder chronische Entzündungen können dazu führen, dass wertvolle Bausteine verloren gehen oder sogar vom Mikrobiom „verbraucht“ werden.
Spannend wird es, wenn Aminosäuren plötzlich nicht nur „Ernährung“ sind, sondern Therapie-Logik: Bei Stress steigt der Bedarf, weil Neurotransmitter und Stresshormone aus Aminosäuren gebaut werden – Tyrosin und Phenylalanin für Dopamin, Adrenalin und Noradrenalin, Tryptophan als Ausgangsstoff für Serotonin. Und auch die Entgiftung in der Leber verlangt nach Aminosäuren: In der Phase-2-Entgiftung werden Giftstoffe an Aminosäuren gekoppelt, um sie über die Galle loszuwerden – was im Körper an anderer Stelle dann fehlen kann, etwa für Schilddrüse oder Gehirn.
Dr. Hierl erklärt außerdem den Unterschied zwischen essentiellen und nicht-essentiellen Aminosäuren, warum „der Körper kann es ja selbst herstellen“ oft teurer ist als man denkt (Energie und Cofaktoren!) und weshalb er die Versorgung gerne systemisch betrachtet – inklusive Nukleotiden als unterschätzte Partner der Proteinsynthese.
Wir sprechen auch darüber, warum Muskelaufbau kein Bodybuilder-Thema ist, sondern Altersvorsorge: jährlicher Muskelverlust, Sturzrisiko, lange Liegezeiten nach Verletzungen – und warum Muskulatur sogar bei Osteoporose und beim Zuckerstoffwechsel (Insulinresistenz/Diabetes) eine Schlüsselrolle spielt. Wie immer zieht sich ein roter Faden durch das Gespräch: Messen statt raten – und den Körper als Orchester verstehen, nicht als Einzelinstrument.
Nächster Schritt
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Die Angaben auf dieser Seite ersetzen keine individuelle ärztliche Beratung, Untersuchung oder Behandlung. Ob und welche Maßnahmen sinnvoll sind, wird im persönlichen Gespräch geklärt. Verläufe unterscheiden sich von Person zu Person.
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